Waffen und Polittheater

 Titel: Kapitol mal anders

Titel: Kapitol mal anders

Ein Bump Stock ist eine Vorrichtung, um mit halbautomatischen Gewehren schneller feuern zu können. In Amerika ist es nun so: halbautomatische Gewehre sind erlaubt, Vollautomatische verboten. Um dieses Verbot zu umgehen, gibt es Bump Stocks. Und seitdem bei dem Mörder in Las Vegas derartige Vorrichtungen gefunden worden sind, werden diese Bump Stocks nun als Bauernopfer von der Waffenlobby vorgeschoben, um wirklich einschneidende Waffenverbote sowie eine umfassende Debatte um die Waffen zu verhindern. Als Reaktion darauf, werden diese Vorrichtungen nicht etwa von den Amerikanern geschlossen boykottiert, sondern sind sie in vielen Waffenläden ausverkauft. Angesichts der nationalen Trauer, die zum Gedenken an die über 50 Opfer verhängt worden ist, frage ich mich,  ob das Heuchelei ist.

Hamsterkäufe im Waffenladen

Aber vielleicht ist diese Frage zu hart, sieht der Einzelne sich doch selten als potenziellen Mörder und meint außerhalb des Schießstandes dieses spaßbringende Utensil doch nie zu benutzen. Meint er doch, Waffen sind überhaupt nicht das Problem. Meint er doch, eben nur noch schnell einen Bump Stock kaufen zu müssen, bevor es den auf dem Markt nicht mehr gibt. Angebot und Nachfrage.

Eisberge und U-Boote

Gar nicht hart aber ist es, das Vorgehen der Waffenlobby und der amerikanischen Administration als eine politische Schmierenkomödie zu bezeichnen. Eine Schmierenkomödie die wir durchschauen müssen, um auch in Deutschland erkennen zu können, wann etwas sach- und fachlich ernstgenommen wird und wann es nur Spielball politischer Intressengruppen ist. In den Staaten wird immerhin gerade eine Lehroper aufgeführt, wie Interessenverbände, nachdem das Schiff schon den Eisberg getroffen hat, noch das Unumgängliche umgänglich machen. Den Untergang des Schiffs also für nicht allzu schlimm verkaufen, weil es sich ja doch eigentlich um ein U-Boot handelt. Und wenn ein U-Boot untergeht, tut es ja nur, wozu es gebaut wurde, nicht?

Politik ist Politik

Für solche Vorgänge brauchen wir nicht erst über den Atlantik schauen, sondern können uns an den Dieselskandal oder die Plagiatsaffäre rund um den Doktortitel von Karl-Theodor zu Guttenberg erinnern, wo es dann auf einmal hieß: "Ich habe ihn nicht als Doktor zum Minister berufen". Untergehende Schiffe werden allerorts als U-Boote verkauft. Wir sollten deshalb daraus lernen und mit jedem politischen Skandal oder Manöver ein Stück klüger werden, um nicht naiv den immer gleichen politischen Spielen anheim zu fallen.

 

Bildquelle: © Florian Kiel

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