Antworten für den Wohnungsmarkt

Wohnraum teilen, gemeinsam leben

Wohnraum ist eine knappe Ressource, so heißt es in der Einführung zur Ausstellung “Together” im Grassi-Museum in Leipzig. Die Immobilienpreise in den Metropolen steigen. Das haben klassische Antworten für den Wohnungsmarkt bisher nicht verhindern können: mehr sozialer Wohnungsbau, Mietpreisbremse, Nachverdichtung – alles zu wenig, zu lasch oder sogar kontraproduktiv. Alles Antworten, die etwas mit der Regulierung von Preisen oder mit der Erhöhung des Angebotes zu tun haben.

Die Idee, Wohnraum anders zu teilen, Gemeinschaft im Zusammenleben, in der Wohnsituation neu zu denken, das war für mich ein Augenöffner. Auf einmal entstanden für mich parallel zu Bautätigkeiten und Regulierungen des Marktes völlig neue Perspektiven der Aufteilung von Wohnraum. Dadurch erhöht sich die Nutzung von Wohnraum per Fläche deutlich, also auch das Angebot auf dem Wohnungsmarkt. Ob das direkt zu sinkenden Preisen führt, bleibt dahingestellt. Das setzt gesunde Wohnkonzepte und Verpachtung voraus, statt städtischem Verkauf von Boden. Zudem sind Kleinapartments mit angeschlossenen gemeinschaftlichen Küchen- und Wohnbereichen auch eine mögliche Antwort auf Demographie und Pflege - siehe unser neues Modellprojekt “QuartierPflege”.

Das Leben in Gemeinschaft ist eine vielversprechende Alternative, die soziale Kontakte fördert und Kosten senkt. Über gemeinschaftlich genutzte Flächen wird ein Miteinander von Nachbarn eröffnet. Die Ausstellung “Together” visualisiert die Flächennutzung anhand unterschiedlicher Farben in großformatigen Modellen realer Architektur-Projekte aus der ganzen Welt. Neben privater und gemeinschaftlicher Wohnraumnutzung zeigen die Modelle auch andere, den eigentlichen Wohnraum umgebende Flächen wie Straßen, Plätze, Parkplatz- und Grünflächen. Das war nicht der Fokus der Ausstellung und die räumliche Anordnung der Modell ohnehin künstlich, da Wohnprojekte aus der ganzen Welt in der Ausstellung zusammenfinden.

Aber was passiert, wenn wir Straßen und Parkplätze anders teilen?

Wer sagt denn, dass ein privater PKW in der Innenstadt einen öffentlichen Parkraum nutzen muss? Ist es problematisch, wenn der innenstädtische Parkraum verkleinert und nur von Sharing-Konzepten genutzt werden darf? Trotzdem würden wir noch individuell in die Stadt pendeln können. Das ist eine rein statistische Frage im Rahmen der Verkehrspolitik.

Titel: öffentlicher Platz in Schmilka – saunieren, frönen, leben. ©R. Kiel

Titel: öffentlicher Platz in Schmilka – saunieren, frönen, leben. ©R. Kiel

Oder können öffentliche Plätze bzw. Grünflächen auch durch Anwohner*innen privat genutzt werden? Beleben sich Flächen, wenn die Stadt über Schließfächer, Lauben oder Kompartimente Voraussetzungen für eine parallele nachbarschaftliche Nutzung schafft? Stellen wir doch einfach den privaten Liegestuhl neben der öffentlichen Sitzbank auf, quatschen mit Passanten und verstauen diesen später wieder sicher in einer von Anwohner*innen geteilten Laube. Könnten wir dann den privaten Garten verkleinern – oder sogar ganz auf ihn verzichten?

All das würde Flächen freigeben, die ohnehin der Stadt gehören, die dadurch erweiterter Wohnraum werden könnten. Und die, um Fehler nicht zu wiederholen, verpachtet werden sollten, damit die Stadt Einfluss und Gestaltungsspielraum behält, statt mit knappen Wohnraum teure Luxuswohnungen und gesichtslose Flachdach-Quartiere zu erlauben.

Titel: stehen und wachsen © F. Kiel

Titel: stehen und wachsen © F. Kiel

Copy of Häusliche Pflege: An der Grenze der Belastbarkeit

Friedrich-Naumann-Stiftung - gegen die Freiheit