Meinung oder Stimme

Viele junge Menschen fühlen sich von Politik und Medien nicht gesehen und begegnen der Demokratie zunehmend mit Distanz. Das Versprechen, mitgestalten zu können, geht nicht auf. In Berlin können sie 2026 erstmals das Landesparlament wählen. Was machen sie daraus?

Das Projekt „Meinung oder Stimme?!“ lädt Jungwähler:innen in Nachbarschaftshäuser ein, über die Themen ihrer Stadt ins Gespräch zu kommen. Sie reflektieren eigene Meinungen, hören andere Perspektiven und ordnen Debatten, um Politik, Medien und Gesellschaft besser zu verstehen und ihre eigene Stimme zu stärken.

Am Ende gehen die Teilnehmenden informiert und mit einer konstruktiven Haltung zur Wahl – bereit, die Demokratie aktiv mitzugestalten.

Kooperationspartner ist der Verband Soziokulturelle Arbeit.

Teilnehmende Häuser:

Heinersdorf liegt am Stadtrand. Die Themen hier sind unter anderem die schlechte Verkehrsanbindung und die sich verändernde Bevölkerungszusammensetzung: Osten trifft auf Westen, Menschen ohne Migrationsgeschichte treffen auf Zuziehende mit vielfältigen Wurzeln.

Was bisher geschah
Seit dem Projektstart haben wir gemeinsam mit allen Beteiligten die Rahmenbedingungen für eine tragfähige Umsetzung geschaffen. Ein Kickoff mit unserem Kooperationspartner, dem Verband für soziokulturelle Arbeit, markierte den Beginn der Zusammenarbeit und diente der gemeinsamen Jahresplanung. Zusammen entwickelten wir Informationsmaterialien für Berliner Nachbarschaftshäuser und starteten einen stadtweiten Aufruf zur Beteiligung.

Es folgten Treffen mit interessierten Einrichtungen, Kiezbegehungen und stetiger Online-Austausch. Vor Ort identifizierten wir gemeinsam mit den Teams zentrale Diskussionsthemen für die Gesprächsrunden. Im engen Austausch passten wir das Projekt an die Bedarfe vor Ort und die Zielgruppe an und konkretisierten das Dialogformat. Parallel planten wir Zeiträume und Synergien zu anderen Aktivitäten der Häuser und entwickelten Strategien, um junge Menschen gezielt mit dem politischen Thema zu erreichen und für eine Teilnahme zu gewinnen – eine Herausforderung außerhalb des schulischen Rahmens.

Die Lösung: Brücken zwischen Nachbarschaftshäusern und Schulen

Der intensive Austausch mit Nachbarschaftshäusern hat gezeigt: Die Zielgruppe junger Menschen wird trotz intergenerationeller Konzepte oft nur schwer erreicht. Für diese Herausforderung fanden wir einen Lösungsansatz und schlugen eine Brücke: Für die Umsetzung des Gesprächsformats bauten wir Kooperationen mit engagierten Schulen aus den Kiezen auf. Über die Projektlaufzeit hinaus sind so wertvolle Kontakte zwischen Bildungsinstitutionen und Nachbarschaftsarbeit entstanden. Zwei Häuser planen bereits eine weiterführende Zusammenarbeit mit den Schulen über das Projekt hinaus.

Beteiligt sind außer den Häusern nun auch diese Schulen: Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, Heinrich-Mann-Schule Neukölln (Sekundarschule), Max-Bill-Schule (Berufsschule), Anna-Freud-Schule (Berufsschule).

Talk-Format zur Meinungsbildung im Wahljahr

Auf der Basis einer umfangreichen, teils KI-gestützten Diskursrecherche zur Berliner Wahl 2026 ist ein dreistündiges Gesprächsformat entstanden. Es ist ab 16 Jahre für alle Altersgruppen geeignet und kann als Block oder in Einzelinputs umgesetzt werden – je nach den zeitlichen und organisatorischen Möglichkeiten des Stadtteilzentrums.

Inhaltlich setzen sich die Teilnehmenden zunächst mit ihren Wünschen für die Zukunft in ihrer Heimatstadt auseinander. Diese gleichen sie anschließend mit den Schwerpunkten der Parteiprogramme und Wahlberichterstattung ab: Wird aktuell über die richtigen Themen debattiert? Wie weit entspricht der öffentliche Diskurs der eigenen Wahrnehmung von Problemen und sinnvollen Lösungen in der Stadt? Schließlich begeben sich die Teilnehmenden in die sozialen Medien und erschließen in Gruppen, wie unterschiedliche Medien auf ihren Kanälen berichten und wie vielfältige User:innen-Bubbles darauf reagieren. Dabei erörtert die Gruppe, wie konstruktiv der Online-Diskurs im superdiversen Berlin ist. Am Ende steht die Frage: Wer gibt in Debatten den Ton an – und was kann es bringen, bei der Wahl die eigene Stimme zu nutzen?

Das Format kombiniert in verschlankter Form die Methoden Zukunftswerkstatt und Diskursanalyse und regt an, sich mit dem eigenen Blick auf die Stadt und persönlichen Interessen auseinanderzusetzen. Dabei verlieren Teilnehmende allerdings Andersdenkende nie aus dem Blick und üben die Reibung an konträren Meinungen.

Erste Erfahrungen und Ausblick

Bereits jetzt zeigt sich, dass die Gewinnung von Teilnehmenden am besten gelingt, wo bestehende Strukturen ineinandergreifen – etwa wenn Schulen, Stadtteilzentren und die offene Jugendarbeit bereits vernetzt sind. Erste Durchläufe des Programms mit der Max-Bill-Schule und dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium haben gezeigt, dass junge Menschen den entstandenen Gesprächsraum annehmen, gerne mit ihren Ideen füllen und dass sie sich über die Wertschätzung freuen, nach der eigenen Meinung gefragt zu werden. Weitere Talk-Termine finden in den Sommermonaten statt.

Um Reichweite und Nachhaltigkeit zu stärken und weitere Häuser dafür zu gewinnen, das Format im Sommer selbstständig in ihren Kiezen anzubieten, stellen wir das Projekt erneut beim Verband soziokulturelle Arbeit vor, diesmal gemeinsam mit den beteiligten Häusern.